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ELECTRONIC WARFARE - SIMULATION - |
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| Ein kurzer Ueberblick ueber den Engagement Simulator (T1) und
dessen Einsatz sowie Auflistung und Besprechung der ermittelten Tabellendaten |
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| Die Nike-Einheiten wurden schon Anfang der 60ger Jahre mit jeweils einem Engagement Simulator (T1) ausgestattet. Die vier Batterien eines Flugabwehrraketenbataillons mussten sich demnach einen Simulator zu Uebungszwecken teilen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| In den ersten Jahren seines Daseins wurde der T1 in den
Verbaenden praktisch
ignoriert. Der T1
hatte eine Fuelle von Simulationsmoeglichkeiten zu bieten, die jedoch
nur zum Teil genutzt wurden. Wartung und Justierung
des Trainers mussten sich in Grenzen halten um eine hohe
Verfuegbarkeit zu garantieren. Fluktuation, Clutter, Aspekt-Verhaeltnisse
usw. haetten die Einstellungen und Pruefungen nur kompliziert. Die eingespielten
elektronischen Gegenmassnahmen mussten von den Bedienern nach
ihrer Art erkannt und mit den entsprechenden elektronischen
Schutzmassnahmen (EloSM) in den Auswirkungen reduziert werden.
Unter "Live-Bedingungen" war und ist die eindeutige
Identifizierung einer Stoermodulationsart kaum moeglich. Dies habe ich schon bei
der Beschreibung des "JAM-CAR"
und der HFB erwaehnt.
Stimmte die Strahlungsebene der elektronischen Gegenmaßnahme
nicht mit der Polarisation des Radargeraetes ueberein kam es zu
Verzerrungen und die Stoerart konnte nicht eindeutig erkannt
werden. Letztlich war das auch einer der Gruende für die
schlechte Annahme der HFB-Einsaetze durch die
Nike-Verbaende. Die HFB-Einsaetze haben bewiesen, dass die
Stoermodulationen nicht so ankamen wie man sich das vorgestellt
hatte. Das war zwar normal aber unerwünscht, da bei Prüfungen (auch
durch die NATO) das Erkennen und ein entsprechendes Handeln gefordert wurden. Alle Stoermodulationen und Tauuschungen
(deception), ausgenommen Rauschstoerungen und Dueppel (Chaff),
haette man sich sparen koennen. Der Erfolg von Modulationen als
elektronische Gegenmaßnahme war und ist hoechst kritisch und
genau das kann man sich im Einsatz, bei allem Lob fuer den
Unterhaltungswert, nicht erlauben. Die Modulationen sind
durchweg zu schmalbandig und setzten technisch ausgekluegelte
elektronische Unterstuetzungsmassnahmen unter Einsatzbedingungen
voraus. Die Sendefrequenzbandbreite der Radargeraete kann man,
vom HIPAR einmal abgesehen, durchweg als breitbandig bezeichnen
und sie haetten schmalbandiges Stoeren aeusserst erschwert und in Frage
gestellt. Eine nicht
funktionierende EloGM ist schlechter als keine. Die Masse
seinerzeit eingefuehrter EloGM-Plattformen beschraenkte sich
(richtig) auf
Rauschstoerungen und den Dueppeleinsatz weil sie eine hohe
Wirksamkeit garantierten. Die EF-111 der U.S. Streitkraefte war
dafuer ein gutes Beispiel. Aus Sicht der damaligen "Bedrohung"
musste eine Fuelle von Radarsensoren der NATO bedient werden,
selbst wenn man den Einsatzbereich einschraenkte. Die
elektronischen Unterstuetzungsmaßnahmen (EloUM) der
Stoerplattformen, also die Einrichtungen mit denen man die
relevanten Signale bestimmen konnte, hatten lange nicht die
heutige technische Reife und wurden zum Teil von Hand bedient,
d.h. die Bediener mussten aus einer Fuelle von Radarsignalen die
einsatzrelevanten herausfinden. Wie gesagt, wenn man schmalbandig stoeren wollte. Die EloKa-Philosophie bei Nike stammte, meiner Meinung nach, aus den
Nachkriegsjahren und war eng mit den technischen Moeglichkeiten
des Systems verbunden oder abgestimmt. Man darf auch nicht vergessen, dass die Nike-Offiziere auf diesem Gebiet nicht ausgebildet waren (traurig). |
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| Der Simulator kam in den 70ger Jahren zu "Ruhm und Ehren". Er war eine sprudelnde Quelle fuer vergleichende Bewertungen der Bediener/Einheiten bei Ueberpruefungen im Bereich der "Elektronischen Kampffuehrung" (EloKa). Sein Einfluss auf die "Ergebnisfindung" bei taktischen Ueberpruefungen (TAC EVAL) durch die NATO war schwerwiegend. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Durch die T1-Ausbildung wurden erhebliche "Ressourcen" in den Einheiten gebunden, da die Einheiten sich gezielt und ausdauernd auf bewertete Ueberpruefungen vorbereiteten. Die "Live-EloKa-Ausbildung" verkuemmerte bis hin zur Bedeutungslosigkeit. Natuerlich hatte man das "oben" nicht gerne gesehen. Schliesslich wurden erhebliche Mittel für die Live-EloKa-Ausbildung auf nationaler und NATO Ebene ausgegeben. Fuer die Nike-Verbaende hatten Uebungen ohne Bewertung, in Zeiten grassierender vergleichender Bewertungen, eben wenig Nutzen um sich darzustellen. Es war zwar unterhaltsam mal was Neues anzusehen aber ansonsten war es eher eine Zeitverschwendung. Man musste sich ja noch einer Reihe anderer Ueberpruefungen stellen die bewertet wurden. Wie sagte U.S. Colonel Boettinger noch: "Die Einheiten wetteiferten in allen Bereichen." Recht hat er ja und ich erinnere mich an die Wettbewerbe der Truppenkuechen in Fort Bliss. Man kann auch Spiegeleier bewerten oder? Ich glaube ohne eine (vergleichende) Bewertung geht beim BUND nix. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Der T1 wurde auch als Simulator bei den Jahresschiessen auf Kreta durch die Nike-Verbaende genutzt, die auf dem dortigen NATO-Schiessplatz ihre Jahresschiessen (Mit richtigen echten Raketen) absolvierten (Nike ab 1968). Fuer die deutschen Nike-Verbaende war das Jahresschiessen auf Kreta ein "highlight" eines Jahres und man bereitete sich Wochen und Monate auf dieses Ereignis vor. Angestrebt wurde ein Ergebnis das moeglichst nahe an der 100% Grenze lag. Bis auf zwei US-Einheiten (B und C 2/56) hat keine deutsche Einheit die 100% erreicht. Gott sei Dank!!! | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| In den 70ger und 80ger Jahren wurde die/der sogenannte "bedrohungsorientierte" Ausbildung/Einsatz eingefuehrt. Man wollte sich der wachsenden Bedrohung, wie z.B. hohe Fluggeschwindigkeiten und dem massiven Einsatz von elektronischen Gegenmassnahmen, stellen oder anpassen. Ein neues Waffensystem war nicht in Sicht. In den USA stritt man sich ueber den taktischen Wert des Waffensystems PATRIOT. Die Schiessergebnisse (Bewertungen) der Nike-Verbaende lagen zwar immer noch nahe 100%, jedoch waren die "Treffer-Ablagen" bedenklich hoch. Man sprach schon von "taktischen" Treffern. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Auf der hoeheren Fuehrungsebene machte man sich
ueber die
"taktischen Treffer" der Nike-Verbaende Gedanken. Es wurden Daten per Telemetrie
gesammelt ohne die Ergebnisse zu verbessern. Die Trefferablagen
waren hoeher als die ehemals angesagten 25 Yards in der X,Y und H
Ebene. Ich habe einige Daten von Jahresschiessen und die
Trefferablagen analysiert und Computer-Printouts
ausgewertet. In aller Regel waren die Ablagen (IEB = Indicated
Error at Burst) zu gross und der Treffpunkt lag oft hoch hinter
dem Ziel, was bei fluechtiger Betrachtung von X, Y und H nicht
auffiel. Eigentlich sollte der Treffpunkt ja etwas ueberhoeht vor
dem Ziel liegen. Das Geraet spielte beim "bedrohungsorientierten"
Einsatz nicht mehr mit. Verantwortlich dafuer war die hohe Naeherungsgeschwindigkeit zwischen Rakete und Flugziel und die Staerke der
eingespielten
elektronischen Gegenmassnahmen, die sich auf einigen Printouts um bis zu 40dB (Faktor
10 000) im Laufe einer Flugzielbekaempfung aenderten. Die
Lenkkommandos an die Rakete aenderten sich oftmals in Abstaenden
von 100 Millisekunden von + auf - 10G (vektoriell). Die Rakete
befand sich auf einem Zickzack-Kurs in allen Ebenen. Die Lenkeinrichtung in der Rakete arbeitete sicher am Limit. Es war schon
erstaunlich was ein Printout so alles an nuetzlichen Daten
hergab die aber kaum genutzt wurden. Die "alten Nikes"
werden sich sicher noch (schmunzelnd) an das Prozedere mit dem
"Multi-Channel-Data-Recorder" und dem Entwickeln des
Photopapiers erinnern. Das Papier wurde durch einen feinen
Lichtstrahl, der durch einen Spiegel innerhalb eines
Galvanometers durch ein Magnetfeld ausgelenkt wurde, zur
Belichtung auf das sich in eine Trommel gezogene Photopapier gespiegelt. Das Papier wurde durch einen Motor zwischen zwei
Kassetten ausgetauscht. Das Auswerten der Aufzeichnungen oder
der analoge Daten und die (per Hand)
Berechnung des IEB`s war eine echte Herausforderung fuer den
Feuerleitoffizier in den fruehen Nike-Jahren. Es gab ja noch
keine Taschenrechner mit den entsprechenden Moeglichkeiten. Der Grund fuer die enormen Lenkkommandoaenderungen lag sicher in der Art der Zielverfolgung durch die Bediener. Wegen der eingespielten EloGM wurde das Ziel im Modus "MANUEL" oder "AIDED", d.h. mit Nachlaufunterstuetzung durch sogenannte Servokreise verfolgt. Die Staerke des Nachlaufes erfolgte durch Handraeder an der Bedienungseinrichtung des Zielverfolgungsradars. Ein kleiner oder ueberzogener "Dreh" am Handrad der Bedienungseinrichtung bedeutete eben auch ein Kommando an die Rakete, gell! |
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| Ich denke das wurde nicht wirklich bedacht. In der Rakete muss es fuerchterlich "gescheppert" haben. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wir erinnern uns, dass fuer einen "Simultaneous Tracking Test", bei dem die Verfolgungsradargeraete das gleiche Ziel verfolgten um eventuelle Abgleichfehler zu erkennen, ein Signal-Rauschverhaeltnis von mindestens 20 dB und "AUTO TRACK" gefordert wurden. Wer haette diesen Test schon in MANUAL oder AIDED durchgefuehrt? Selbst die "rails", d.h. die Seilbefestigungsstangen fuer den Personenschutz auf den Arbeitsplattformen der Radargeraete, wurden beim scharfen Schuss auf Kreta entfernt, um die Verfolgungsgenauigkeit des Raketen-, Zielverfolgungs- und Entfernungsmessradars nicht negativ zu beeinflussen. Beim Einspielen von Stoerleistungen war man allerdings recht grosszuegig. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Es ist bekannt, dass eine gewisse Zeit vor BURST die EloGM
reduziert oder nicht mehr eingespielt wurden. Die relativ hohe
Zielgeschwindigkeit hatte aber weiter Einfluss und fsshrte zu den
typischen Trefferablagen. Die Berechnung und Ausfuehrung eines
Lenkkommandos verzoegerte sich systembedingt um etwa eine viertel
Sekunde, genauer gesagt waren es (theoretisch) 200
Millisekunden. Waehrend des "End Games" und der rasanten Naeherung
zwischen Rakete und Ziel, bei ueberhoehtem Flugweg der Rakete auf
das Ziel zu, war
dies kritisch und setzte der radialen Flugzielgeschwindigkeit
eine inhaerente Grenze, d.h. der Zielgeschwindigkeit waren durch Design-Merkmale des
Systems praktische Grenzen gesetzt. Die Design-Merkmale lagen etwa bei den
Moeglichkeiten des Fluggeraetes der 50ger Jahre, d.h. bei
etwa 500 bis 600 Knoten um eine gewisse FSKC (First Shot Kill
Capability) zu erreichen. Es gab kein Update oder Download um die
inhaerenten Moeglichkeiten des Waffensystems zu veraendern! :-)
Durch einige Modifizierungen wurden "Systemfehler" behoben, wie z.B.
durch die SAMCAP Modifizierungen. Die
Masse der technischen Aenderungen diente jedoch der Erhaltung der Versorgungsfaehigkeit, wie
man beim Militaer so schoen sagt. Weiter unten zeige ich die Ergebnisse einer Regressionsanalyse. Ich wollte seinerzeit wissen, welchen Einfluss der Einsatzablauf und die Art der Zielverfolgung auf die Geschwindigkeit der Rakete hatten. Das Ergebnis war eigentlich keine große Ueberraschung wenn man sich den Printout ansah. |
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| Ich habe sicher mehr als hundert EloKa-Pruefungen waehrend meiner
SPAG-Zeit (10+ Jahre) begleitet. Von Bedienern wurde ich hin und
wieder gefragt ob man bei Dueppelstoerungen (CHAFF, duenne Streifen
aus Aluminium) das Ziel nicht besser
im Long Pulse Modus des Zielverfolgungsradargeraetes "fuehren" koenne. Ich habe zwar die Vorteile
gesehen, durfte aber nicht zustimmen da es gegen das
Prozedere der EloKa-Pruefung verstiess und somit zu Punktabzuegen
gefuehrt haette, natuerlich auch bei NATO-Ueberpruefungen. CHAFF wurde in Short Pulse gefuehrt weil die Aufloesezelle kleiner
und somit die Aufloesung besser als in Long Pulse war, dachte
man. Lange Zeit war mir nicht klar warum die Operator recht hatten. Irgendwann schaute ich dann, waehrend die Wartungstechniker die erforderlichen Justierungen vornahmen, auf das Signalstaerkemeter. Bei diesen Einstellungen war ich selten anwesend und deshalb ist es mir auch lange verborgen geblieben. Ich sah, dass auf dem Meter kein Unterschied zwischen dem LP- und SP-Modus zu erkennen war während DUEPPEL/CHAFF eingespielt wurde. Das war natuerlich falsch. Nach weiteren Ueberpruefungen mit den Technikern (auch beim FlaRakBtl 24) stellte sich heraus, dass der T1 wohl falsch "verdrahtet" war, d.h. elektronisch wurde in Short Pulse die gleiche Menge an Dueppel in die elektronischen Kreise eingespielt wie in der Long Pulse Arbeitsweise. Das darf aber nicht sein, da der Aufloesungsraum in SP etwa 10x kleiner ist (Was von der Laenge des Sendeimpulses abhaengt.). Deshalb fiel die Anzeige am Signalstaerkemeter auch nicht um 10 dB ab, d.h. das Signal war um ca. 10 dB ueberhoeht und machte den Bedienern bei der Zielverfolgung zu schaffen. Die Zieldarstellung (Signalstaerke) zwischen der SP- und LP-Arbeitsweise war korrekt. |
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| Zusammenfassung: Man hatte bei den T1-Modifizierungen einige Maengel nicht nachgebessert wobei die Fehler bei den Radarreichweiten (MDS) und der Fehler beim Einspielen von Dueppel / Chaff in der Short Pulse Arbeitsweise die bedeutesten gewesen sind. Das machen wir beim naechsten mal sicher besser. :-) Mit dem T1 wurde viel (falsch) dargestellt aber nichts richtig simuliert. |
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